In den ersten Jahren von Fußmanns künstlerischer Tätigkeit dominierte das Thema Berlin, vor allem in seiner Grafik. So gab er 1974 eine große Mappe und 1988 die große Folge "Druckpunkt" dazu heraus. Doch die neuere Grafik, die überwiegend in Gelting entstand, hat Landschaften und die dort wachsenden Blumen im Wechsel der Jahreszeiten zum Inhalt.
Klaus Fußmann verbringt in Gelting den größeren Teil des Jahres, dort, wo schon Erich Heckel, Emil Nolde oder auch Karl Schmidt-Rottluff häufig die Sommerzeit verbrachten. Damals hatte sich in der Region regelrecht ein Schwerpunkt des deutschen Expressionismus herausgebildet. Und dies bedeutet für Fußmann wiederum Anregung. Er kennt die Eigenart der Plätze, an denen die Maler der "Brücke" arbeiteten, nur zu genau.
Landschaftsdarstellungen, wie etwa das gelbe Land der Rapsfelder, wurden für Fußmann in den letzten Jahren immer mehr zu einem bedeutenden Thema, insbesondere in der Druckgrafik. Die wichtigsten druckgrafischen Techniken in Fußmanns Werk sind wohl neben den Radierungen vor allem auch die Linolschnitte. Der pastose, malerische Druck, der Fußmanns Linolschnitt kennzeichnet und von allen bisher bekannten Anwendungen dieser Technik unterscheidet, erlaubt es, beispielsweise das Gelb der Rapsfelder materiell und immateriell zugleich vor Augen zu stellen, als Licht und als haptische Plastizität, in suggestiver Naturnähe und naturgegebener Abstraktion.
Blumenbilder wurden in der letzten Zeit in Fußmanns Werk immer häufiger als in den vorangegangenen Jahrzehnten. Für ihn ist es die Darstellung des Vergänglichen und des Jahreszeitenwechsels. Seine Blätter umfassen von der Tulpe, dem Mohn über die Marguerite bis zur Rose und dem Vergißmeinnicht nahezu alle Blumen, dies entweder in Einzeldarstellungen oder als ganzer Reichtum des Gartens vereint in einer Grafik. Dabei geht es ihm aber nicht um die Darstellung im botanischen Sinne, sondern ihre Form ist mehr aus ihrer Wachstumsstruktur heraus begriffen, ihr Blühen ist das Wesen von Farbe, als eine Erscheinungsart aus Licht und Materie.
Obwohl Fußmann seine Blumen -wie die anderen Themen seiner Grafik- auch in Gemälden und Aquarellen darstellt, besitzen diese Blätter einen ausgesprochenen grafischen Charakter, unverwechselbar in den favorisierten Medien Radierung und Linolschnitt. Die Leichtigkeit des Aquarells wird in die Tiefdruck-Blätter, das Pastose der Gouache in die Hochdruck-Blätter adäquat übersetzt, ohne daß je der Eindruck entsteht, es sei Malerei reproduziert worden. Die Übersetzung gelingt vollkommen, weil jedes Motiv dem Medium entsprechend verstanden und dargestellt wird. Dabei genügen Fußmann in der Radierung wie im Linolschnitt meist nur wenige Platten als Träger von zehn bis manchmal sogar vierzig Farben. Doch im allgemeinen ist die Anzahl der Farben geringer als es auf den ersten Blick scheint: Sie sind sich gegenseitig steigernd eingesetzt, erscheinen uns dadurch reicher als ihre meist geringe Zahl vermuten läßt.